Antifaschistische Kundgebung zur Feier des Tags der Befreiung schöner Erfolg

Die Organisator_innen-Gruppe des Festivals „Keine Knete – Trotzdem Fete“ hatte zusammen mit der Initiative „Ja zur Nö – Für ein soziales Zentrum in Harburg“ und dem Harburger Bündnis gegen Rechts am 5.Mai eine sechsstündige Festkundgebung zum Tag der Befreiung vom Faschismus auf dem Harburger Rathausmarkt organisiert.

Mit der Veranstaltung sollte ein inhaltlicher Bogen vom Ende des Faschismus über die menschenverachtenden Aktivitäten von Neonazis in den letzten Jahren und Jahrzehnten bis zum geplanten Aufmarsch zum „Tag der deutschen Zukunft“ am 2.Juni geschlagen werden. Insgesamt kamen im Laufe des Nachmittags und Abends mehr als 100 Menschen aus Harburg und dem Landkreis Harburg. Für Harburger Verhältnisse war die Resonanz damit ziemlich erfreulich.

Ein Bühnenprogramm aus Livemusik (Das Manu und Keldy & J.P. als Liedermacher, Gruppe Gutzeit mit Folk-Country-Protestmusik, E123 mit Elektropunk und zu guter Letzt die Drölf Crew aus Tostedt mit großartigem Drum&Bass – für Mitschnitte siehe den “Ja zur Nö”-Youtube-Channel) und diversen Redebeiträgen (u.a. Gudrun Meyer vom Hamburger Bündnis gegen Rechts und Klaus Lübberstedt zu den Protesten gegen den geplanten Naziaufmarsch am 2.Juni, Vertreter_innen von „Ja zur Nö“ zu Nazistrukturen in Harburg und der Initiative für ein soziales Zentrum in Harburg und Ivar Lethi mit Gedichten u.a. von Bertolt Brecht und Johannes R. Becher) sorgte zusammen mit Infoständen, einer Vokü und einem Getränkestand (an dieser Stelle vielen Dank an Café Libertad für die Kaffeespende!) für eine abwechslungsreiche Veranstaltung.

Im Laufe der Kundgebung tauchten immer wieder ein paar bekannte Neonazis aus Harburg und Umgebung auf. Diesen wurde jedoch deutlich gemacht, dass sie auf der Veranstaltung nichts zu suchen haben.

Mit der Kundgebung konnte deutlich gezeigt werden, dass antifaschistische Kultur und Politik auch im Süden Hamburgs präsent und für alte und neue Nazis auch in Harburg kein Platz ist. Dass sie auch im Rest Hamburgs nicht geduldet sind, werden wir spätestens am 2. Juni klar machen.

Material zur Kundgebung

Im Folgenden dokumentieren wir unsere Rede und den Redebeitrag zu aktuellen Nazistrukturen im Hamburger Stadtteil und im Landkreis Harburg:

Antifaschistische Festkundgebung zum Tag der Befreiung am 5.5.2012 auf dem Harburger Rathausmarkt

Plakat - Tag der Befreiung Harburg 2012Aus Anlass des Tages der Befreiung vom Faschismus (8.Mai 1945) und zur Mobilisierung für die Proteste gegen den von Freien Kameradschaften + NPD-Aktiven für den 2.Juni angekündigten Nazi-Aufmarsch durch Hamburg finden in der nächsten Zeit in Hamburg-Harburg eine ganze Reihe von Veranstaltungen statt.

Der Auftakt wird am Samstag, d. 5. Mai eine Festkundgebung auf dem Harburger Rathausmarkt sein. Auf diesem prominenten Platz wird es in der Zeit von 16 bis 21 Uhr Livemusik (mit Das Manu (ab ca. 16:30 Uhr), Keldy & J.P. (ab ca. 17:00 Uhr) Gruppe Gutzeit (ab ca. 17:45 Uhr), E123 (ab ca. 19:00 Uhr) und der Drölf Crew (ab ca. 20:00 Uhr)), Redebeiträge, Lesungen, Infostände u.v.m. geben.
Zu der Kundgebung rufen das Harburger Bündnis gegen Rechts, die Organisator_innen des Umsonst-und-draußen-Festivals „Keine Knete – Trotzdem Fete“ und wir als Initiative „Ja zur Nö – Für ein selbstverwaltetes und unkommerzielles soziales Zentrum im ehemaligen FZ Nöldekestraße“ auf.

Hier der Flyer zur Kundgebung: Flyer – Festkundgebung zum Tag der Befreiung (5.5.2012 – Harburg)
Hier das Plakat: Download

Die Ini zu Besuch bei Olaf Scholz im Feuervogel

Am 24.Januar war der derzeitige Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz auf Initiative der SPD ins Harburger Bürgerzentrum „Feuervogel“ im Phoenixviertel gekommen. Titel der Show war „Olaf Scholz im Gespräch“.
Auch wir von der Ini „Ja zur Nö“ waren mit 15 Leuten zu der von insgesamt ca. 300 Personen besuchten Veranstaltung gekommen, um die Harburger über unsere Anliegen zu informieren. Am Eingang bekamen alle Interessierten ein Flugblatt mit einer kurzen Info zur Initiative in die Hand gedrückt. Unsere Freunde von den Libertären Harburg machten ebenfalls bereits vor der Tür des Veranstaltungsortes auf die keineswegs immer besonders sympathische Vergangenheit des Bürgermeisters aufmerksam – es sei nur an die 2001 von ihm als Hamburger Innensenator eingeführten Brechmitteleinsätze zur Überführung von mutmaßlichen Verkäufern illegalisierter Drogen erinnert, die Ende 2001 mit Achidi John den Banner-Aktion bei Olaf Scholzersten Toten forderten (Vgl. http://www.brechmitteleinsatz.de/infos/chrono.html).

Dünnhäutige Lokalpolitiker_innen

Tatsächlich Zugang zum Veranstaltungssaal zu bekommen war allerdings gar nicht so einfach, da die Veranstaltungsleiterin von der SPD uns partout nicht mit unserem Transparent auf dem wir ein „selbstverwaltetes soziales Zentrum in der Nöldekestraße 19“ forderten, hereinlassen wollte. Wahrscheinlich fürchtete sie sich vor Krawallen, die ja bekanntlich von allen Menschen, die Transparente mit sich führen, ausgehen… Nachdem der verantwortlichen Dame von der SPD allerdings etwas Nachhilfe in Sachen „Recht auf freie Meinungsäußerung“ gegeben worden war, ließ man uns jedenfalls passieren.

Bürgermeister als Entertainer

Nach einer 30-minütigen One-Man-Show des Bürgermeisters wurden Fragen zu verschiedensten lokal- und stadtpolitischen Themen gestellt – von der täglichen LKW-Lawine auf der löchrigen Bremer Straße bis hin zur stadtweit beliebten Elbphilharmonie. Kurz vor Ende kamen auch wir von der Ini „Ja zur Nö“ und die Freunde vom Kulturverein „Alles wird schön“ zum Zug und konnten auf die Vielzahl an leerstehenden Gebäuden in Harburg und die schleppenden Verständigungsprozesse mit den Verantwortlichen des Bezirks aufmerksam machen. (Vgl. http://leerstandsmelder.de/)
Auf unsere Frage, ob sich O. Scholz etwas wie die Rote Flora oder das Gängeviertel in Harburg vorstellen könne, antwortete er, dass es nicht so sei, dass er sich das gar nicht vorstellen könne. Den Bezug auf das Gängeviertel zog er jedoch dem auf die Rote Flora vor. Weiterhin empfahl er, mit den Verantwortlichen im Bezirk im Gespräch zu bleiben. (Eine Video-Dokumentation unseres Redebeitrags und der Antwort O.Scholz‘ kann hier angesehen werden: http://www.youtube.com/watch?v=HoZccuujOFU) Inwiefern er allerdings dazu bereit und in der Lage ist, über das Verständnis von „Kultur“ als Lockmittel im „internationalen Wettbewerb der Metropolen“, hinaus zu denken, das u.a. von der Hamburg Marketing GmbH aggressiv befördert wird (Vgl. http://marketing.hamburg.de/Erfolgsbausteine-2009.717.0.html), bleibt zweifelhaft.

Dass allerdings nicht nur „Menschen mit Transparenten“ den Wunsch nach einem kulturellen und sozialen Zentrum in Harburg haben, sondern auch auch viele andere Bürger von Harburg, ist an dem Abend in zahlreichen Gesprächen nach dem Ende der Veranstaltung jedenfalls sehr deutlich geworden. Wir machen weiter!